Top Ten 2010: Ein ganz besonderer Jahresrückblick [05.01.2011]
Das vergangene Radsportjahr hielt für den Tuspo Weende viele aufregende Momente bereit: 2010 begann mit dem Schwarzwald-Trainingslager im Frühjahr und wurde mit dem Bahnprojekt abgeschlossen, dazwischen lagen unter anderem die Tour de Energie und das Altstadtrennen.
Die zehn größten, spektakulärsten und emotionalsten Ereignisse wurden nun in der folgenden Top-Ten-Liste zusammengestelllt. Es sind Momente und Geschichten, an die zu erinnern sich lohnt und die schlichtweg zu bedeutsam sind, um vergessen zu werden.
Platz 10: Zwölf Finisher beim Ötztaler Radmarathon!
Den rennomierten Ötztaler im österreichischen Sölden absolvieren 12 Tuspo-Fahrer erfolgreich
238 Kilometer, 4 Bergpässe, 5500 Höhenmeter – so lautet das Anforderungsprofil des Ötztaler Radmarathons. Gleich zwölf Tusporaner haben sich Ende August gemeinsam mit 4000 weiteren „Radsportverückten“ an die Startlinie des renommierten Marathons gestellt.
Im Rennen haben sie gefroren, geschwitzt, gelitten, Aufgabegedanken verdrängt und auf Abfahrten die Marke von 100 Stundenkilometer geknackt. Schlussendlich haben alle Tusporaner stolz das Ziel erreicht. Und der Stolz, der war ihnen vergönnt: Schließlich hatten die zwölf Marathoni zuvor mit dem Kühtai, dem Brenner, dem Jauffenpass und dem Thimmelsjoch nicht nur vier Anstiege von höchster Schwierigkeit bezwungen – sondern auch ihren inneren Schweinehund. Besondere Anerkennung verdienen die Zeiten von Jan Menkens (8:40 Stunden/314. Platz), Wolf-Dieter Brandt (8:58/510.), Oliver Hartz (9:31/999.) und Konne Simon (9:34/1044.)
Untergebracht in einer Ferienwohnung, wurden die Tusporaner Zeuge davon, wie sich der Start- und Zielort Sölden in ein Radsportmekka verwandelte. Ein wirklich tolles Rennwochenende, das schon jetzt auf seine Neuauflage wartet: Der nächste Ötztaler am 28. August 2011 kann kommen...
Platz 9: Frieder Uflacker wird mit 56 Kriteriumspunkten Dritter...
So wie beim Göttinger Altstadtrennen wird Tuspos Topfahrer auch in Altenburg 3.
Tuspos Topfahrer Frieder Uflacker hat 2010 nicht nur den Zeitfahrcup organisiert, nicht nur unzählige Trainingstips weitergegeben, sondern bereits im Mai seinen Klassenerhalt in Deutschlands höchster Amateurklassse unter Dach und Fach gebracht. Im Verlauf der Saison ist Frieder insgesamt vier Mal auf das Podium gerast:
Beim Rennen in Steinfurt schaffte er es auf Rang zwei, bei den Landesmeisterschaften sowie beim Göttinger Altstadtrennen wurde er jeweils Dritter.
Seine vierte Podiumsplatzierung beim Nachtrennen in der Skatspielstadt Altenburg hat allerdings einen faden Beigeschmack: „Ich hatte so tolle Beine wie lange nicht mehr“, erzählt Frieder.
„Deshalb war ich häufig mit einem frühen Antritt bereits 1000 Meter vor der Wertungsabnahme auf und davon.“ Fleißig sammelt der 33-Jährige Kriteriumspunkte, sichert sich eine Wertung nach der
nächsten. Dass es für Frieder trotz 56 (!!) Kriteriumspunkten schlussendlich „nur“ für Platz drei reicht, liegt an der Regel, dass ein Rundengewinn höher angerechnet wird als Punktgewinne. So
machen Mathias Friedemann und Sascha Damrow den Sieg unter sich aus, nachdem sie das Feld auf dem 1,2 Kilometer langen Kurs überrundet hatten.
Platz 8: Eine Radlänge: Yannick Sinske schwebt zwischen 3 Klassen
Zu Saisonbeginn verletzt, dann exzellent in Fahrt gekommen: Yannick Sinske
Die sogenannte Radlänge hat etwas Mystisches: Häufig hängt es von einer Radlänge ab, ob ein Ausreißversuch erfolgreich ist. Gelegentlich entscheidet die Radlänge gar über Sieg und Niederlage.
Und manchmal, in Fällen, in denen es hart auf hart kommt, kann sie sogar den Ausschlag darüber geben, ob man in der Folgesaison A-Lizenzfahrer ist oder C-Fahrer. Die Radlänge kann also zuweilen über drei (!!) Klassen entscheiden – eine Erfahrung, wie sie der B-Fahrer Yannick Sinske in der Saison 2010 hat machen müssen:
Nach verletzungsbedingt extrem spätem Saisoneinstieg kommt Yannick hervorragend in Tritt und zeigt (auch dank der Unterstützung durch Erik Breuer und Markus Gauer) bei der Europäischen
Radsportwoche in Uelzen sein Leistungsvermögen: In einem dramatischen Sprintfinale fehlt Yannick nur eine einzige Radlänge zum Sieg, der den direkten Aufstieg in die A-Klasse bedeutet
hätte.
Zwar unterstreicht Yannick eine Woche später durch einen fünften Rang in Sebnitz seine starke Form. Nichtsdestotrotz fehlt dem 21-Jährigen am Ende der Saison genau eine Platzierung zum
Klassenerhalt. Größten Respekt verdient der beachtliche Auftritt von Yannick, dessen Ziel im Jahr 2011 (mindestens...) der Wiederaufstieg in die B-Klasse sein dürfte, dennoch allemal.
Ein wirklich kurioser Saisonverlauf, der vielerlei bewiesen hat: Zum einen, dass Yannick die Fähigkeit besitzt, in Momenten zuzuschlagen, in denen man es nicht erwartet. Zum anderen, dass die Saison erst dann wirklich vorbei ist, wenn keine Rennen mehr gefahren werden. Leider beweist der Saisonverlauf aber auch, dass der „Mythos Radlänge“ nicht ohne Grund ein Mythos ist...
Platz 7: Tour de Energie von den Zietenterassen - ein Radsportfest
Massenspektakel auf der Bürgerstraße: 2500 Fahrer starten bei der TdE 2010
Sonnenschein, 2500 Starter, 5000 Zuschauer an der Ziellinie, Tuspo-Trikots, so weit das Auge reicht – die Tour de Energie von den Zietenterassen ist auch im Jahr 2010 ein voller Erfolg.
Für sportliche Höhepunkte bei der 6. Auflage des Jedermannrennens sorgen auf der 82-Kilometer-Runde Kai-Henrik Günther (11. Platz), Lorenz Fiege (18.), Marius Apenberg (22.), sowie Björn Hansmann (31.). Erwähnt werden muss ferner der mannschaftsdienliche Auftritt von Wolf-Dieter Brandt (32.), der mit letzter Kraft den Sprint angefahren hat. Auf der Kurzdistanz über 46 Kilometer kommt Timo Holloway auf den neunten Rang. Zudem erreicht die Mannschaft „Tuspo Weende kurz und knackig“ den zweiten Platz in der Mannschaftswertung. Erfreulich ist, dass mit Claudia Bilitewski und Frederike Glockner zwei Frauen für Tuspo in die Pedale treten. Etliche Tuspo-Starter erbringen bei der Tour de Energie gute Leistungen – nur der ganz große Coup will im Jahr 2010 nicht gelingen.
Die 6. Auflage der Tour de Energie hat sich den Weg in dieses Ranking weniger aufgrund großartiger Individualleistungen verdient. Sondern vor allem, weil deutlich wurde, dass die TdE zu einem perfekt organisierten Megaevent avanciert ist. Das Göttinger Rennen ist längst eine feste Größe im Radsportkalender – und zwar nicht nur in jenem des German-Cycling-Cup!
Platz 6: Julian Sinskes Last-Minute-Klassenerhalt
Julian Sinske wird in Hannover Zweiter
Drei Platzierungen brauchte der A-Fahrer Julian Sinske zum Klassenerhalt. Am frühen Morgen des 28. August hat er noch keine einzige davon in der Tasche.
Dass er den Verbleib in der höchsten Amateurklasse dennoch perfekt macht, das liegt daran, dass er Ende August ein Turbo-Wochenende hinlegt: Den Auftakt dieses Wochenendes bildet Julians zweiter Rang beim Rennen in Hannover-Döhren. Direkt am darauffolgenden Tag legt der 26-Jährige mit seinem fünften Platz in Kellinghusen den Grundstein zum Klassenverbleib. Das Quäntchen Glück, das Julian in der ersten Saisonhälfte verwehrt blieb (Platz 11 in Breitenworbis, Platz 13 in Bremen), ist im zweiten Saisonabschnitt endlich auf seiner Seite.
Beim heimischen Altstadtrennen droht Julian in seine alten Platzierungsmuster zurückzufallen (12. Platz in Göttingen – trotz Erkältung), bis er schließlich Mitte September durch seinen 9. Platz beim Rennen in Loitz den Klassenerhalt sicherstellt.
Platz 5: Max Hessel trumpft groß auf - Familien-Doppelsieg inklusive!
Einer von fünf Saisonsiegen - dazu ein besonderer: Max Hessel wird 1. in Hanau
Fünf Saisonsiege, 27 Platzierungen, dazu ein Gesamtsieg im Schüler-Cup – die Saisonbilanz von Max Jannes Hessel liest sich wie die Saisonbilanz eines gesamtes Vereins.
Wenngleich Max der Sieg beim Göttinger Altstadtrennen verwehrt blieb, wird er das Jahr 2010 mit Sicherheit in guter Erinnerung behalten. Nicht zuletzt aufgrund dieses ganz besonderen Sieges Anfang August: Im hessischen Hanau dominiert Max von Beginn an sein U13-Rennen und holt sich verdient den Sieg. Kurz darauf sprintet Max´ jüngerer Bruder, Jakob Hessel, im Hobbyrennen der U13 ebenfalls als Erster über die Ziellinie.
Ein lupenreiner Familien-Doppelsieg, der selbst die Saisonleistungen von Fränk und Andy Schleck (dem wohl bekanntesten Geschwisterpaar im Profiradsport) in den Schatten stellt. Ich zumindest kann mich nicht daran erinnern, dass es den Schleck-Brüdern aus Luxemburg in der vergangenen Saison gelungen wäre, zwei Rennen an nur einem Tag zu gewinnen...
Platz 4: Wie Phönix aus der Asche - Niclas Große wird B-Fahrer
Freudenschrei: Niclas Große sichert sich in Dautphe den Rennsieg und Aufstieg
„Die schönste Freude erlebt man dort, wo man sie am wenigsten erwartet“, schrieb der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Und tatsächlich: Niclas Große hat nach seinem 76. Rang bei der Tour de Energie und dem Ausscheiden bei den Landesmeisterschaften in Osnabrück eine Leistungsexplosion im nächsten Rennen wahrlich nicht erwarten können.
Auf anspruchsvollem Kurs im hessischen Dautphe gelingt Niclas dank der Unterstützung von Markus Gauer dennoch das Unfassbare: Durch einen überragenden Sprint nach 62 Kilometern sichert sich der 20-Jährige den Rennsieg und damit den Aufstieg in die B-Klasse.
Wie der Jubelschrei auf dem Zielfoto beweisen dürfte, erlebt man die größte Freude tatsächlich dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Weil dieser Erfolg so überraschend kam, konnten die Tusporaner über den organisatorischen Fauxpas, dass sich der Beginn der Siegerehrung ewig verzögerte, leicht hinwegsehen...
Platz 3: Blau-weiß-rote Landesmeisterschaften in Osnabrück
8 Fahrer eines Vereins: Tuspo sorgt bei den Landesmeisterschaften für Aufsehen
„Das ist ja ein Rennen zwischen dem RSC Wustdorf und der FOS-Patent-Mannschaft“, meinten im Mai einige Fahrer bei den Landesmeisterschaften der Elite. Wie Bitte? FOS-Patent?
Ja, genau: „FOS-Patent“ ist jener Schriftzug, der den hinteren Teil der Tuspo-Hosen ziert. Tatsächlich agiert Tuspo bei den Landesmeisterschaften auf Augenhöhe mit den besten Teams Niedersachsens: Gleich acht Tuspo-Fahrer waren nach Osnabrück gereist, um die 113 Kilometer lange Strecke in Angriff zu nehmen. Um den Rennsieg wollten die Blau-Weiß-Roten also ein gehöriges Wörtchen mitreden. Am Ende sprang für Frieder Uflacker Platz drei heraus, Julian Sinske wurde Sechster.
Allein aufgrund dieser Platzierungen hätte es dieses Rennen wohl kaum in die Top-Drei des Jahres 2010 geschafft. Durch die vielen Tuspofahrer, Holger Buchs lautstarke Unterstützung sowie eine tolle Team-Zusammenarbeit während des Rennens ist der dritte Platz in diesem Ranking allerdings mehr als verdient!
Platz 2: Göttinger Altstadtrennen - Doppelsieg in der U17
Doppelsieg: Fiete Lembeck und Nils Schachtebeck
Als ich am 05. September 2010 in die Göttinger Innenstadt trudelte, um mich für mein eigenes C-Rennen aufzuwärmen, befanden sich die U17-Fahrer gerade auf der letzten Runde. Ich sah das ausgedörrte Hauptfeld, wie es auf der Berliner Straße an mir vorbeizischte, und hörte Nils Schachtebeck einige Worte rufen. Nils befand sich an erster Position des Feldes, direkt dahinter hielt sich Fiete Lembeck auf. Ungeachtet der Freude darüber, dass das Feld von zwei Tusporanern angeführt wurde, war ich ein wenig überrascht: Nach den vorangegangenen fabelhaften Auftritten von Nils hätte ich eher erwartet, dass Fiete versuchen würde, den Sprint für Nils anzuziehen.
Was ich nach dem Rennen jedoch im Zielbereich hörte, beeindruckte mich umso mehr. Zumal es nicht nur der Aufklärung des Rennverlaufs diente, sondern auch die Dominanz der beiden Tuspo-Youngster unterstrich:
Nils habe, so erklärte man mir, nachdem er sich zu Beginn jede Kriteriumswertung gesichert hatte, für seinen Teamkollegen Fiete den Sprint angezogen. Der Plan ging auf: Fiete wurde Zweiter! „Man hat ganz klar gesehen, dass Radsport eben doch ein Teamsport ist“, schwärmte Abteilungsleiter Holger Buch. Kurz und knapp gab sich der Sieger selbst: „Das war schon etwas ganz Besonderes“, meinte Nils, der 2010 insgesamt vier Saisonsiege einfahren konnte.
Einziger Wermutstropfen dieses unvergessenen Doppelerfolgs: In der Saison 2011 darf Nils zwar erneut in der U17 starten, Fiete hingegen rückt in die U19 auf.
Platz 1: Das Radbahn-Projekt
Gemeinschaftliche Tuspo-Sache: Die Sanierung der Radbahn am Sandweg
Womöglich würde man sich in einigen Jahren schwarz ärgern, wenn man statt diesem Vereinsprojekt einen rein sportlichen Höhepunkt auf den ersten Platz des Saisonrückblicks setzen würde. Denn sportliche Höhepunkte geraten in Vergessenheit – die vom Tuspo sanierte Radbahn hingegen wird auf lange Zeit im SVG-Stadion thronen.
Dabei scheint das Bahnprojekt fast zu schön, um wahr zu sein: Erst im Sommer 2009 wird die Idee zur Sanierung der Radbahn entwickelt – schon im Herbst 2010 steht sie. Zur Finanzierung werden Flyer und Sticker verteilt, Pins, Kuchen, Getränke und Bratwürste verkauft, Sponsoren gefunden, Spender gewonnen, und – womöglich am wichtigsten: eine ungeheure Menge Eigenarbeit geleistet: Im September strömen bis zu 30 Tusporaner täglich ins SVG-Stadion, um die alte Asphaltdecke von der Bahn zu kratzen.
Wenn es im Jahr 2010 ein Ereignis gegeben hat, das beweist, dass – bei allem Respekt für jede sportliche Individualleistung – Tuspo eine Gemeinschaft ist, dann das Bahnprojekt!
Michael Jordan hat einmal gesagt: There is no „I“ in „Team“!
Und eines fällt mir auf: There is also no „I“ in „Tuspo Weende“!
In diesem Sinne wünscht Timo ein erfolgreiches Jahr 2011
Wohlwissend, dass diese Liste subjektiv zusammengestellt ist und dass auch andere Ereignisse – beispielsweise der Zeitfahrcup oder die XXL-Tour von Personal-Sports, der Doppelschlag von Michel
Schachtebeck oder das Schwarzwald-Trainingslager – die Aufnahme in diese Liste absolut verdient hätten.
